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Apr 2014 13

Fünfzehn Teilnehmer sind zum „Aktiven-Treffen“ gekommen. Und niemand hätte gedacht, dass es hier mal zu wenig Stühle geben könnte. – Eine Reportage von Valeria Rosenberg

Die Tische zusammengestellt zu einer Tafel. Rund herum sitzen schon die ersten und schlürfen an ihrer sauren Rhabarberschorle oder an einer biologischen Cola-Alternative aus Neumarkt. Bald ist festzustellen, welche Anwesenden sich mehr engagieren, welche weniger. Aber keiner spricht mit erhobenem Zeigefinger.

Wer hat nicht schon mal mit dem Gedanken gespielt, sich zu engagieren? Etwas Gutes für seine Mitmenschen und seine Umwelt zu tun? Und wie viele sind schon an der Befürchtung gescheitert, es könne zu viel Zeit in Anspruch nehmen? Oder sie wussten erst gar nicht, wo anfangen? – BluePingu will den Menschen in der Region Möglichkeiten bieten, sich zu engagieren. Ganz Franken wollen sie aufzeigen, dass kleine Schritte vollkommen ausreichen, für große Veränderungen. Wie viele Schritte man machen will, bleibt dabei jedem selbst überlassen. „Mach den kleinen Unterschied!“ lautet der Appell. Und um sich auf das Wesentliche – die Nachhaltigkeit – zu konzentrieren, ist BluePingu weder einer Partei noch einer Religionsgemeinschaft zugeordnet.

„Ich bin Frank”, sagt ein lächelnder Mann und begrüßt uns. „Mir wäre es lieber, wenn wir uns duzen.“ Frank Braun ist der Vorsitzende von BluePingu e.V. – und ihm geht es offenbar um einen freundschaftlichen Umgang. Frank moderiert und führt zeitgleich Protokoll. Diese Mitschrift ist noch am selben Abend in meinem E-Mail-Postfach zu finden. Das Digitale vereinfacht die Organisation zwischen den Treffen. E-Mail-Verteiler, Doodle-Listen und gemeinsame Dropbox-Ordner werden von den meisten genutzt.

Unter dem Vereinsmotto „Gemeinsam Zukunft bauen – ökologisch, fair und regional“ wird bei monatlichen Treffen von vergangenen Aktionen berichtet, werden Anregungen gesammelt, Erfahrungen ausgetauscht, neue Ideen präsentiert, anstehende Projekte besprochen und Aufgabenbereiche verteilt.

Weil man die Leute so gut erreicht, wurde beispielsweise die Agenda 21-Kinoreihe eingeführt. Es werden Spiel- und Dokumentarfilme zum Thema Nachhaltigkeit gezeigt, im Babylon Kino in Fürth oder im Casablanca in Nürnberg. Das kostet keinen Eintritt, aber im Anschluss darf diskutiert werden.

Für jene, die vom Kinobesuch aufgerüttelt an Veränderungen teilhaben wollen, gibt es nachhaltige Projekte zum Mitmachen: zum Beispiel den „Stadtgarten“. Was als ‘Urban Gardening’ in vielen Städten auf der ganzen Welt erfolgreich ist, wurde in Nürnberg von BluePingu initiiert. Groß und Klein darf dort – nach einer kurzen Führung durchs Gelände – selbst mit anpacken: säen, pflegen und ernten. Alle Beete sind Allgemeingut und gehören der Gemeinschaft, aber gegen ein kleines Entgelt darf auch ein Eiliger, der keine Zeit hat für Gartenarbeit, sich mal bedienen.

Ein weiteres Projekt ist der „Regionallotse“. Dort sind alle Adressen Frankens zu finden, die Nachhaltigkeit garantieren und unserem Konsumkarma zur richtigen Wahl verhelfen sollen. Es gibt ihn in Form eines Buches, einer App oder auf der Homepage, die schon bald mit einem neuen und übersichtlicheren Erscheinungsbild überzeugen soll.

Im 5. und obersten Stockwerk des Caritas-Pirckheimer-Hauses (cph) in Nürnberg dürfen neben „MissionEineWelt“ nun auch die BluePingus zwei Büroräume ihr Eigen nennen. Dort hat sich der Verein seit neuestem eingenistet. Zuvor wurde nur in den eigenen vier Wänden gearbeitet.

„Magst du einen Tee? Lavendel, Süßholz oder Minze?“ Stefanie zeigt mir eine der beiden Teepackungen und geht in einen Nebenraum Wasser holen. Zur Linken ein Schrank und Stauraum für Ordner und Infomaterial, zur Rechten Stühle, aufeinandergestapelt, sowie ein massiver, runder Tisch, an dem wir Platz nehmen. Zwischen den Möbeln ist nicht viel Raum, um sich zu bewegen. Denn die zwei circa 10 Quadratmeter kleinen Büroräume wirken durch die Dachschrägen und niedrigen Decken noch kleiner, zumal sie auch noch als Lagerraum dienen; zum Beispiel für Bilderrahmen.

Denn zum Thema „Wie erträumst Du dir deinen LebensWERTraum 2025?“ wurde ein Malwettbewerb für Grundschüler ausgerufen. Lokale Künstler und Künstlerinnen sind die Juroren. Und das Preisgeld wird von der Messe Nürnberg gespendet. Von der Messe deshalb, weil BluePingu zeitgleich zur BioFach – also parallel zur weltweit größten Messe für ökologische Konsumgüter – und nun zum vierten Mal in Folge ein Rahmenprogramm organisiert. Und im Vergleich zur BioFach, die nur für Fachbesucher zugänglich ist, ist das Rahmenprogramm für die Öffentlichkeit bestimmt. Neben der Ausstellung der eingereichten Bilder sollen Vorträge und Diskussionen Einblicke und Ausblicke gewähren.

Während andere Kinder erst durch den Malwettbewerb mit dem Thema Nachhaltigkeit in Berührung kamen, gehörte es für Stefanie Rösch schon immer zu ihrem Selbstverständnis. Als Praktikantin bei BluePingu e.V. prüft sie zur Zeit die Artikel der Website auf ihre Aktualität oder arbeitet am Projekt „Ökohelden“ mit. Dort fördert sie die Vernetzung der Vereine in der Region, die sich im Umwelt- und Naturschutz engagieren, und managt die Zusammenarbeit zwischen Verein und Ehrenamtlichen. Nach den vier Praktikumswochen ist es aber noch nicht vorbei mit BluePingu. Ein bis zwei Mal die Woche will Stefanie mitarbeiten und sich auch weiter beteiligen.

Der Name des Vereins verdankt sich zunächst einmal unserer Erde – dem blauen Planeten – des Weiteren hat sich Frank Braun von dem Dokumentarfilm „Die Reise der Pinguine“ inspirieren lassen. Das Zusammenspiel der Pinguine ist für ihn ein Vorbild für ein soziales Miteinander. Seine Lieblingsszene: Die Eiübergabe vom weiblichen Pinguin an den männlichen. Dieser riskante Moment, in dem jede Bewegung über Leben oder Tod des Embryos entscheidet. Mit Funkeln in den Augen und einer etwas unnatürlichen Körperhaltung versucht er das Geschehen zu veranschaulichen. Denn Frank nimmt gerne jede gute Gelegenheit wahr, um Menschen aufzuklären und seine Vision zu teilen.

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Diese Reportage entstand im WS 2013/14 im Rahmen einer Kooperation der Zentrifuge (Magazin PILOT und Kreativblog ON-Index) mit der TH Nürnberg, Fachbereich Verbale Kommunikation, Prof. Max Ackermann.

3 Comments

  1. Frank Braun sagt:

    Vielen Dank für diesen schönen Artikel!

  2. Frank Braun sagt:

    Ach ja, dürfen wir den auch auf unserer Webseite im Blog veröffentlichen?

    • michael.schels sagt:

      Hallo Frank,
      dein KOmmentar lag im Spamordner – erst jetzt entdeckt (die Kommentarfunktionen mussten wir deaktivieren, da tausende von Spams reinkamen …
      … klar könnt ihr den Artikel auch bei euch posten – mit Quellenangabe, logisch.
      Viele Grüße
      Michael

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