follow us at facebook follow us at facebook follow us at facebook
Jul 2013 11

Text: Ronald Zehmeister

Über 30 Ingenieure, Technikbegeisterte, Künstler und Kreative sind der Einladung zu dem Workshop  Engineering 2050 gefolgt und haben gemeinsam Ideen über den Anlagenbau der Zukunft entwickelt. Ausrichter und Organisatoren des Workshops waren:

  • Kreativplattform Zentrifuge Auf AEG in Nürnberg
  • VDI/VDE-Gesellschaft für Mess- und Automatisierungstechnik im VDI-Bezirksverein Bayern Nordost e.V. und VDE-Bezirksverein Nordbayern e.V
  • Studenten und Jungingenieure SuJ im VDI Nürnberg

Innovation bedeutet, dass man neue Wege geht. Solche neuartigen Ansätze der Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Sphären stellen somit auch in der Form ein zukunftsweisendes Beispiel dar. Das gemeinsame Ziel ist es, die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands als Produktionsstandort und Lieferant von Produktionsanlagen zu sichern und zu stärken. Dazu gehört ständiges Lernen, ein Denken „Out of the Box“, Kreativität und Kooperation. Das Motto lautet: Technik von Menschen und für Menschen. Die Kunst kann hier eine sehr wichtige Rolle spielen und wertvolle Anregungen geben.In einem einstündigen World Creativity Café wurden vier Themen bearbeitet:

1) Wie sieht eine Produktionsanlage im Jahr 2050 aus?
Eine Produktionsanlage im Jahr 2050 wird hochgradig dezentral, modularisiert und flexibel sein. Das „Produkt“ der Zukunft trägt den Fertigungsplan in sich und sucht sich für die Herstellung und Zusammensetzung seiner Bestandteile die entsprechenden Produktionsstätten und -module aus. Die ständige Beschleunigung technologischen Fortschritts führt dazu, dass  Verbraucherwunsch und Umsetzung immer weiter zusammenrücken; der Gedanke formt das Produkt. Die Produktionsanlagen rücken auch räumlich an die Verbraucher heran. Bei der Herstellung von Gütern haben wir einen vollendeten Kreislauf. Das Herstellungs-Material kann kleinteilig beliebig in andere Güter überführt und recycelt werden.

2) Wie wird eine Produktionsanlage im Jahr 2050 geplant?
Die digitale Fabrik und das Holo-Deck werden Realität. Die Planung wird durch Simulation vereinfacht und visualisiert, das Holo-Deck erlaubt haptische Erlebnisse. Die Planungsmodelle lernen und verbessern sich selbst. Womöglich werden die Anforderungen aus den Gedanken des Planers extrahiert, seine Wünsche steuern den Planungsvorgang.
Ähnlich biologischen Organismen wird sich die Produktionsanlage selbst diagnostizieren, Veränderungen der Anlage und ihre Instandhaltung organisieren. Ob für die Produktion noch Menschen benötigt werden oder Androiden diesen Job übernehmen, autonom oder ferngesteuert, ist noch unklar. Neben Kosten, Termin und Qualität werden soziale Aspekte und Ökologie feste Bestandteile der Planung sein. Die grüne, klimaneutrale Fabrik von der Planung über den Betrieb bis zur Entsorgung ist Realität und Grundlage für ein zukunftsorientiertes, gutes Leben für alle.

3) Welche Rolle spielt der kreative Mensch bei der Anlagenplanung?
Hundertwasser Fabrik: Kreativität wird unmittelbar: Ästhetik wird wichtiger, Design und Funktion werden eins. Maschinen könnten über eine „künstliche“ Intelligenz verfügen und Prozesse selbst vorantreiben, dokumentieren und steuern. Der Mensch ist als „Maschinenflüsterer“ im Einsatz, der dem System die Grenzen aufzeigt und bei Bedarf eingreift. Diese Systeme könnten komplexe und mächtige Konstrukte sein, deren Verwaltung und Bedienung den Menschen noch mehr fordert, als dies zum heutigen Zeitpunkt der Fall ist.
Die Möglichkeiten der Umsetzbarkeit von Produkten und Prozessen werden größer und die Einschränkungen geringer sein als heutzutage. Der Mensch wird befreit von lästigen Tätigkeiten, administrative Prozesse werden von den Systemen übernommen, so dass sich hieraus Freiräume im Denken und Handeln ergeben. „Kreativität als Ware”. Es gibt keinen Unterschied mehr zwischen kreativ und nicht kreativ, der Mensch als Limitierer für die universelle Maschine.

4) Wie nehmen wir die Menschen mit?
Die enorme Entwicklungsgeschwindigkeit und die zunehmende Automatisierung bieten viele Chancen, bergen aber auch beängstigende Risiken, wenn die Menschen bei dieser Entwicklung außen vor bleiben oder ihr gar unterworfen werden (Horrorvision “Matrix”: Der Mensch als Material bzw. “Batterie”). Künftige Innovation wird in gesellschaftlichen und sozialen Bereichen im Verbund mit der Technik stattfinden. Ästhetische und ethische Aspekte werden immer wichtiger. Kommunikation, Moderation, Verstehen entwickeln sich zu Schlüsselaufgaben bzw. -kompetenzen.
Es stellen sich Fragen wie: Wohin wollen wir? -> Austausch über Ziele und Wege / Gemein-Nutzen, “Green”, Nachhaltigkeit, Work-Life-Balance, Erholung; Transparenz / Offenheit / Gläserne Maschine / Open Knowledge / intelligente Netzwerke; Wertewandel: Mensch wird “überflüssig” bzw. von stupider Arbeit befreit. Arbeit wird neu definiert, Aufwertung sozialer Berufe, Technik muss in Einklang gebracht werden, persönliche Entwicklung rückt in den Vordergrund

Die gesamte Dokumentation kann man sich —> hier als PDF herunterladen oder online einsehen unter www.issuu.com/zentrifuge

Leave a Comment