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Mrz 2014 11

Ein Internationaler Kunstpreis im L’arsenale militare marittimo di Venezia.
Das Arsenal von Venedig – In diesem Arsenal gibt es zwar keine Waffen mehr, aber dafür andere scharfe Objekte: Kunst. – Alessandra Lazzarin, die Veranstalterin des Arte Laguna Prize, im Gespräch mit André Braun

Alessandra Lazzarin, Projektleiterin Arte Laguna Prize

André Braun: Der „Arte Laguna Prize“ – was ist das eigentlich?

Alessandra Lazzarin: Der Arte Laguna Prize ist ein internationaler Kunstpreis, um den sich Künstler aus der ganzen Welt bewerben. Und der Name hat damit zu tun, dass die finale Ausstellung der qualifizierten Werke im Arsenal von Venedig stattfindet. Der Wettbewerb setzt sich aus fünf Kategorien zusammen: Malerei, Skulptur, Fotokunst, Videokunst/ Performance, und virtuelle bzw. digitale Kunst. Und für jede Kategorie kürt eine internationale Jury jeweils einen Sieger.

André Braun: Seit wann gibt es den Arte Laguna Prize? Und wie entstand die Idee zu einem neuen Kunstwettbewerb in einem so großem Rahmen?

Alessandra Lazzarin: Vor acht Jahren wurde der Arte Laguna Prize von ein paar Kunstliebhabern ins Leben gerufen, mit der Absicht, Künstler aus der ganzen Welt zusammenzuführen. Der Wettbewerb soll soziale, politische und kulturelle Barrieren überwinden, um es jedem Künstler zu ermöglichen, sich mit eigenen Erfahrungen und Hoffnungen, neue Horizonte zu erschließen. Außerdem ist es auch für uns als Veranstalter ein Riesenanreiz, Werke aus aller Welt zu sehen und vergleichen zu können. Da ist dieser Gedanke an eine internationale Ausstellung zeitgenössischer Kunstwerke aller Art. Und das ist die Seele des Arte Laguna Prize. – Und – jeder kann daran teilnehmen, es gibt quasi keine Voraussetzungen …

André Braun: … Quasi keine Voraussetzungen …?

Alessandra Lazzarin: Naja, keine Voraussetzung im Sinne einer Qualifikation. Allerdings muss jeder Teilnehmer eine Gebühr von 50 Euro pro Werk zahlen. Die Anmeldung ist im Übrigen sehr einfach und kann über ein Online-Formular ausgefüllt werden. Die Arbeiten werden dann je nach Kategorie entweder online oder per Post eingeschickt. Wobei uns der Online-Versand – einfach aus organisatorischen Gründen – lieber ist.

André Braun: Sie sagten eben, 50 Euro pro Werk. Ist es auch möglich sich mit mehreren Werken in derselben, oder gar in mehreren Kategorien zu bewerben?

Alessandra Lazzarin: Selbstverständlich ist auch das möglich; allerdings gibt es keine Vergünstigung für weitere Arbeiten.

André Braun: Wie viele Bewerber gibt es jährlich und wie viele davon schaffen es tatsächlich zur Ausstellung im Arsenal von Venedig?

Alessandra Lazzarin: Die Zahl der Bewerber liegt circa bei 6500 – 8000. Dieses Jahr zum Beispiel gingen ungefähr 6500 Arbeiten bei uns ein, ich erinnere mich aber – 2008 war das glaube ich -, dass auch schon einmal gut 8000 Bewerbungen eingegangen sind.
Tatsächlich ausgestellt werden dann nur 110 Werke.
Malerei, Fotokunst und Skulptur sind mit jeweils 30 Arbeiten vertreten, 10 Videokunstwerke sind mit dabei und die restlichen 10 Plätze belegen dann eben virtuelle und digitale Kunstwerke.

André Braun: Nach welchen Kriterien wird bewertet und ausgewählt?

Alessandra Lazzarin: Die Arbeiten werden von einer internationalen Jury bewertet. Diese besteht aus 10 Juroren plus einem Chef Juror; es handelt sich bei diesen Personen um Museums- und Stiftungsdirektoren, unabhängige Kuratoren, und andere Kunstexperten. Pro Kategorie entscheiden jeweils drei Juroren über die Auswahl der Finalisten. Konkrete Auswahlmethoden gibt es allerdings nicht. Somit hat jeder der Juroren die Möglichkeit, nach seinen eigenen Kriterien zu bewerten.

André Braun: Wie lange dauert so ein Auswahlverfahren? Wann erfahren die Künstler, ob es ihre Werke in die finale Ausstellung geschafft haben?

Alessandra Lazzarin: Deadline für die Abgabe war der 26. November. Ab Januar werden die ersten Künstler benachrichtigt, und bis Mitte Februar weiß auch der letzte von seinem Bestehen bzw. Nichtbestehen. Meistens fängt die Bewertung bei Fotokunstwerken an und endet mit der Bewertung von digitalen und virtuellen Kunstwerken.

André Braun: Was erwartet die qualifizierten Künstler in Venedig: Wie lange müssen sie zittern?

Alessandra Lazzarin: Der 22. März 2014 ist der erste Tag der Ausstellung und zugleich das Datum, an dem die Sieger gekürt werden. Die Ausstellung dauert von da an zwei Wochen bis zum 6. April.

André Braun: Venedig ist ein teures Pflaster – Sie laden die Finalisten ein. Wer aber kann sich das leisten?

Alessandra Lazzarin: Wir haben mit einigen Hotels Sondertarife für den Arte Laguna Preis vereinbart, somit ist die Unterkunft wesentlich günstiger als üblich. Für die Anreise allerdings können wir leider keine Vergünstigung anbieten.

André Braun: Also müssen die Künstler zahlen. Was aber springt für die Sieger heraus, wenn sie sich an diesem Wettbewerb beteiligen?

Alessandra Lazzarin: Für jeden Gewinner einer Kategorie ist ein Preisgeld von je 7000 Euro vorgesehen.

André Braun: Und die anderen Kosten? Miete, Personal Wachleute?

Alessandra Lazzarin: Das ist richtig, wir haben einige hohe Ausgaben – mit der Organisation, der Bezahlung von Mitarbeitern, von Juroren, selbstverständlich durch das Anmieten der Gebäude des Arsenals, durch den Aufbau und nicht zuletzt auch durch die Preisgelder.
Das alles wird in erster Linie durch die Anmeldegebühren der Künstler finanziert; weitere Sponsoren für den Arte Laguna Preis gibt es keine, außer die Stadt Venedig selbst, die uns mit einer kleinen Spende unterstützt.

Alessandra Lazzarin: - Warum dann überhaupt Venedig …? Hat das mit der bekannten Biennale für Kunst, mit der Architekturbiennale oder den Film-Festspielen zu tun?

Alessandra Lazzarin: Venedig hat für mich eine ganz besondere Bedeutung: Es war und ist trotz seiner so geringen Größe eine Weltmetropole für Kunst und Kultur, die ideal ist für eine internationale Ausstellung dieser Größenordnung.
Abgesehen davon, habe ich auch persönlich eine ganz besondere Affinität zu Venedig. Obwohl es quasi meine Heimat ist, da ich ganz in der Nähe aufgewachsen bin, ist es jedes Mal etwas Besonderes für mich, wenn ich wieder in Venedig bin.
Und ich hoffe, dass sich in Venedig, vor allem künstlerisch und kulturell, ein bisschen mehr bewegt, eine Erneuerung stattfindet. Ich würde mir wünschen, auch außerhalb der Biennale und des Arte Laguna Preises, mehr zeitgenössische Kunst in venezianischen Museen zu sehen.

André Braun: Ist Venedig in Ihren Augen auch eine Metapher oder ein Symbol für Entwicklungen in der Welt? Gerade wenn Sie an den zunehmenden Verfall der Gebäude denken, an das ständige Hochwasser, die Zerstörung der Kanäle durch vollbesetzte Kreuzfahrtschiffe, die unkontrollierten Touristenströme, etc.? – Der Soziologe Georg Simmel schrieb ja mal „Denn dies ist das Tragische an Venedig, wodurch es zum Symbol einer ganz einzigen Ordnung unsrer Formen der Weltauffassung wird.“ Würden Sie dieser Aussage zustimmen?

Alessandra Lazzarin: Nein, als Symbol für die Welt würde ich Venedig nicht bezeichnen, da es eine sehr kleine Stadt ist, die sich von großen Metropolen wie Paris oder London doch stark unterscheidet. Und: Meiner Meinung nach ist Venedig auch kein Vorbild für die Welt, eben aufgrund dessen, was mit der Stadt passiert.

www.artelagunaprize.com

Dieses Interview entstand im WS 2013/14 im Rahmen einer Kooperation der Zentrifuge (Magazin PILOT und Kreativblog ON-Index) mit der TH Nürnberg, Fachbereich Verbale Kommunikation, Prof. Max Ackermann. Fachliche Begleitung: Alessandra Brisotto.

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