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Apr 2012 03

Ein Interview mit Rainer Hertwig
von Janina Quakenack und Isabella Kardinal

Unweit der Zentrifuge, im „Café Pforte” Auf AEG. Wir warten auf Rainer Hertwig und vertreiben uns im Kaffeeduft die Zeit damit, uns Gedanken über unsere Fragen zu machen. Was wäre wichtiger und was weniger? Was verblüfft? Was bildet?

Wie stehen Sie in Bezug zum „Creative Monday“?

Ich würde sagen, er ist ein Teil des Konzepts der Zentrifuge. Er wirkt als Zusammenschluss von Kreativen aus der Kultur- und Kreativbranche, die versuchen sich besser zu vernetzen, sich gegenseitig zu unterstützen und so etwas wie ein Kunst- und Kreativzentrum in Nürnberg zu schaffen.

Ich besuche ihn regelmäßig, weil beim „Creative Monday“ auch immer wieder Projekte angeboten und präsentiert werden. Das ist zum einen anregend, kann man doch mitbekommen, was überhaupt passiert, zum andern sieht man viele Leute, die sich bei der Gelegenheit treffen und austauschen. Ich habe auch schon mein eigenes Projekt, mit dem ich unterwegs bin, vorgestellt: mehrwertzone.net
Um Sie ein wenig näher kennen zu lernen: Gab es schon vor mehrwertzone.net besonders spannende oder für Sie persönlich interessante Projekte?

Da gab es sehr viele. Ich habe während des Studiums schon angefangen bei „Arena“ mitzuarbeiten, beim Internationalen Studententheaterfestival Erlangen. Ich habe dann später auch eine Reihe anderer Festivals gemacht, europäische und internationale, und war anschließend auch einige Jahre lang Schauspieler.

Im Theater?

Ja, und auch als Dramaturg. Ich schreibe Kindertheaterstücke und bin seit 2007 an der Uni als Dozent tätig, in der Theater- und Medienwissenschaft. Mit den Städten Nürnberg, Fürth, Erlangen und Schwabach habe ich schon vor jetzt bald 4 Jahren das Festival „tanzen08“ mitorganisiert, das dann auch in allen vier Städten stattfand.

Dann gab es letztes Jahr das „made in“-Festival, mit der Intention, die Kultur- und Kreativwirtschaft näher ins Zentrum zu rücken. Und bei dieser Gelegenheit habe ich angeheuert um für die Kreativ- und Kulturwirtschaft des Großraums ein Portal zu konzipieren, das sich „mehrwertzone.net“ nennt.

Sehen Sie sich selbst als Kreativer – oder eher als Künstler?

Ja, klar. Sicherlich, an der Schnittstelle zwischen Kunst und Kreativität, lebt es sich immer ein bisschen schwierig. Künstler sind ungern Kreative – wie in Werbung und Design – und Kreative machen eigentlich keine Kunst, sondern wollen lieber etwas verkaufen. Deshalb ist dieser Begriff auch so sperrig. Die Idee hinter der Kultur- und Kreativwirtschaft ist, dass sich jeder dazu zählen kann, der in irgendeiner Form schöpferisch tätig ist und damit sozusagen seinen Unterhalt bestreiten kann – oder will. Das ist die Basis der kreativen Klasse und in dem Zusammenhang zähle ich mich sicherlich auch dazu.

Wie kamen Sie dazu, der Projektleiter von mehrwertzone.net zu werden?

In Vorbereitung auf das Festival 2011 wurde jemand gesucht, der diesen Job übernimmt. Es wurde lange überlegt, jemanden mit größerer Interneterfahrung zu nehmen; letzten Endes aber war die Kommunikation wichtiger. So ein Portal braucht natürlich Partner und Kooperationen, man muss Leute davon überzeugen, man muss ein Konzept entwickeln, und das ist eine Stärke, die weniger im technischen Bereich liegt. Ich fand das persönlich ganz spannend, weil sich mir so die Gelegenheit bot, mich im Bereich Social Media weiterzuentwickeln.

Wen wollen Sie mit mehrwertzone erreichen? Das ist ja erst einmal nur eine Plattform im Internet.

Wir haben in dieser sogenannten Kultur- und Kreativwirtschaft elf Kreativbereiche. Das fängt bei der Architektur an und endet bei der Software-Games-Industrie. Unsere Klientel sind im Wesentlichen diejenigen, die sich in der Kultur- und Kreativwirtschaft tummeln und da ihr Geld verdienen wollen.

Haben Sie ein Beispiel für uns: Gibt es jemandem, der ein Projekt hatte, das dann erfolgreich gefördert und umgesetzt wurde, ob nun mit Hilfe von mehrwertzone.net oder auch durch den „Creative Monday“?

Zurzeit unterstützen wir eine Filmproduktionsfirma, die ein sehr schönes Projekt ins Leben gerufen hat, das nennt sich „taschenkonzerte.com“ (“Auf die Augen.Auf die Ohren.Echt Musik.”) und ist eine Video-Podcast-Plattform. Musiker jammen, meist unplugged, an ungewöhnlichen Orten und werden dabei aufgenommen. Solche Ergebnisse kann man auch bei uns auf der mehrwertzone sehen.
Dann gab’s vor einer Weile einen sehr pfiffigen, klugen Kopf, der auch beim „Creative Monday“ auftauchte, der hat ein Programm zum Musikerzeugen fürs iPad und iPhone namens Orphion konzipiert. Das hatte er beim „Creative Monday“ vorgestellt und suchte ganz konkret jemanden, der ihm dafür eine App entwickelt. Wir haben das auf der mehrwertzone relativ stark gepostet und auch die Zentrifuge hat sich sehr bemüht.

Das ist ja oft heikel für viele Kreative und Künstler … aber: Welche Verknüpfung besteht zwischen ihrem Beruf und ihrem Privatleben? Haben sie ihr Hobby zum Beruf gemacht?

Ich versuche schon die Dinge zu machen die mir Spaß machen und die mich interessieren. Ich finde, wenn man in dem Bereich arbeitet, gehört eine Grundleidenschaft dazu, sonst kann man keine guten Ideen haben. Man muss immer 100 Prozent geben und man muss unglaublich kommunikativ sein. Ich mache das jetzt schon eine gute Weile, 15 Jahre, und ich merke trotzdem immer wieder, dass es zu Missverständnissen kommt, wenn man nicht so sauber kommuniziert.

Sie beschäftigen sich heute mit digitaler Kommunikation, kommen aber vom Theater: Ist die Theaterkunst nicht schon dem Tod geweiht?

Nein, da habe ich überhaupt keine Sorge. Da sie jetzt schon über 2000 Jahre überlebt hat, ist sie ja älter als die katholische Kirche und überhaupt die älteste Institution, die man sich nur vorstellen kann.
Und auch die Theaterwissenschaft hat sich erweitert, hin zu allen Formen von Performances. Der Betrachtungsgegenstand ist ja nicht wirklich das literarische Theater, einfach gespielt mit Schauspielern, die Figuren einnehmen, die sie dann präsentieren. Das ist eine mittlerweile weit entfernte Spielart.

Würden sie behaupten, dass wir in unserem Alltag auch Rollen spielen?

Ja. Dozenten zum Beispiel. Die ziehen sich ein Sakko an, das sie sonst nie tragen würden, aber nur weil sie vor Studenten stehen. Mit anderen Worten, sie kostümieren sich, weil sie sich präsentieren und repräsentieren; das ist eine Art Liveauftritt. Sie reagieren ganz spontan und lebhaft auf das, was zurückkommt und das ist ein Theatererlebnis. Das heißt, es gibt einen Akteur und Zuschauer. Der Akteur reagiert auf die Zuschauer, die wiederum darauf reagieren, was er macht, das ist ein ständiges Wechselspiel.

Dann ist das ganze Leben ja Theater.

Ja, das ist die Konsequenz daraus.

Anmerkung: Dieses Interview entstand im Rahmen einer Kooperation zwischen der Georg Simon Ohm Hochschule und der Zentrifuge im Wintersemester 2011/12. Studenten des Fachs “Verbale Kommunikation” portraitierten und interviewten Menschen, die bei diversen Creative Mondays in der Zentrifuge als Presenter zu Gast waren. Dieses Projekt wurde von Prof. Max Ackermann angeregt und begleitet, der damit dem Creative Monday, der Zentrifuge und den mit ihr verbundenen Kreativen ein Gesicht geben wollte. Wir danken Herrn Professor Ackermann und seinen Studenten herzlich für die Unterstützung!

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