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Feb 2012 23

Vorbemerkung: Diese Reportage entstand im Rahmen einer Kooperation zwischen der Georg Simon Ohm Hochschule und der Zentrifuge im Wintersemester 2011/12. Studenten des Fachs “Verbale Kommunikation” portraitierten und interviewten Menschen, die bei diversen Creative Mondays in der Zentrifuge als Presenter zu Gast waren. Dieses Projekt wurde von Prof. Max Ackermann angeregt und begleitet, der damit dem Creative Monday, der Zentrifuge und den mit ihr verbundenen Kreativen ein Gesicht geben wollte. Wir danken Herrn Professor Ackermann und seinen Studenten herzlich für die Unterstützung! Der folgende Artikel über Creative Monday Mit-Initiator Markus Teschner ist der erste, den wir in dieser Reihe vorstellen.

Markus Teschner – Kultur und Netzwerk
Eine Reportage von Helge Halmen.

Dieser Mann kennt keine Ruhe – und kein Bett. So könnte man denken, zieht man die Anzahl der Projekte in Betracht, die er aus der Taufe gehoben hat oder unterstützt. Wer aber einmal am „Creative Monday“ teilnimmt, erlebt einen sehr entspannten Mitdreißiger. Auf seinem Namensschild steht in Handschrift „Markus Teschner“. Er schüttelt Hände, er grinst, er moderiert den Abend. Im Vorfeld hat er die Referenten gebrieft, die jetzt die Erfahrungsberichte zu ihren Projekten vortragen. In der Pause geht Markus Teschner mit dem Häppchentablett durch die Reihen und erledigt nebenbei, wofür der Creative Monday geschaffen wurde. Er bringt Kreative, Künstler und Kulturinteressierte zusammen, deren gebündeltes Potential neue Projekte hervorbringen soll. Hier steht ein Graffiti-Künstler neben einem Architekten, dort ein Produktdesigner, weiter links ein Agenturchef. Die Atmosphäre hier in der Halle der „Zentrifuge“, dem Inkubator des Creative Monday, ist prädestiniert für einen lockeren Austausch. Früher standen hier schwere AEG-Maschinen, heute hängen unterschiedlichste Exponate an der Wand. Es riecht nach frischer Farbe. Markus meint, ich solle ihn adden, dann könnten wir mal einen Termin vereinbaren. Markus mag ungern gesiezt werden.

Dass der Treffpunkt das Thairestaurant O-Sha sein würde, wäre vielleicht abzusehen gewesen – es ist so etwas wie Markus´ zweites Wohnzimmer. Als das O-Sha umbaute, half Markus mit. Nachdem er mir die Hand geschüttelt, mich angegrinst und mir ein Limettengetränk empfohlen hat, halt ich´s nicht mehr aus: ob er denn kein Zeitproblem nebst Helfersyndrom habe? Früher ja, mehr als heute. Seit er von Thomson Reuters, einem Medienkonzern, als leitender Produktmanager zu Immowelt gewechselt habe, gäbe es Zeitprobleme nur noch dann, wenn mehrere Veranstaltungen gleichzeitig liefen. Das Geheimnis liege in der Organisation von Kontakten, und dem konsequenten Einbeziehen von Social Media. Dabei nutze er diese nicht zum Chatten, sondern für die Koordination der Projekte. Wie sich im Gespräch herausstellt, könnte der Umstand, dass der Mann kein Auto und keinen Fernseher hat und allenfalls sechs Stunden Schlaf braucht, sich auch als hilfreich erweisen, wenn man, wie er, kein Problem mit der Zeit haben will.

Inzwischen habe ich meinen hervorragenden Entensalat fast aufgegessen. Man könnte ihn auch als Hauptgericht ohne Soße bezeichnen. Immer wieder grüßt Markus freundlich Gäste an Nachbartischen. Als ich die letzten Körnchen aus dem Reiskörbchen puhle, kommt ein Mann aus der Küche und fragt, ob alles OK sei. Markus stellt uns einander vor. Dass Markus ein routinierter Netzwerker ist, steht außer Frage. Analog und ganz persönlich, wie hier im Restaurant, schnell und effektiv im Digitalen. Wenn er nachts um 23:30 Uhr im Netz den Webmontag ankündigt, hat er eine halbe Stunde später dreißig Anmeldungen und tags drauf hundert. Leider beschränke sich die Akzeptanz der Social Media und damit die schnelle Organisationsfähigkeit im Augenblick auf die Webszene. Dass der Creative Monday noch kein Selbstläufer sei, liege nicht zuletzt auch daran. Daher arbeite der Creative Monday auch gern mit der Zentrifuge und deren Verteiler als einer bestehenden Kultur-Größe. Angedacht sei allerdings ein wechselnder Ort für die Events, vielleicht das Neue Museum …

Was in der Webszene schon länger ein erfolgreiches Format ist, kann nicht so einfach auf die besonderen Bedürfnisse der Kreativ- und Kulturszene übertragen werden, das sei von Anfang an klar gewesen. Schade nur, dass Künstler nach seiner Auffassung manchmal auf Organisation und Marketing wenig Wert legen. In Nürnberg käme dann noch das wenig verkaufsförderliche “fränkische Understatement” hinzu. Das jedoch findet er sympathisch.

Bleibt die Frage nach der Motivation. Bei Xing zitiert Markus aus der Sádhaná, einem Weg der Meditation: „Eine Kultur ist nicht nach der Summe der Macht, sondern nach der Summe der Menschenliebe zu beurteilen und zu werten, die sie entwickelt und in ihren Gesetzen und Einrichtungen zum Ausdruck bringt.“ Was zunächst wie ein Abreißkalendersprüchlein wirkt, wird relevant, wenn es einer ernst meint. Denn Geld gibt es keines für seine Liebhaberprojekte. Macht ist für ihn kein Motivator, und das Wort „Menschenliebe“ findet der Franke Markus etwas groß, wahrscheinlich Understatement. Aber etwas mitzubekommen, wenn sich in der Szene etwas Neues tut, interessiert ihn, und helfen, das macht er einfach gerne.

Zum Abschied verrät Markus, dass es neben neuen Terminen für den Creative Monday, den Webmontag und das Barcamp etwas völlig Neues gebe, dessen Details er aber noch nicht veröffentlicht wissen möchte. Er schüttelt meine Hand, grinst und geht.

Soviel sei doch noch verraten: es wird nicht Markus´ letztes Projekt sein.

1 Comment

  1. Das neue Projekt heißt “Project X-EMN” und mehr Infos gibt es hier:
    http://bit.ly/x-emn

    PS: Danke an Helge….

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