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Apr 2014 13

Bastus Trump

Bastus Trump

Bastus Trump, geb. 1984, ist Saxophonist und Sounddesigner. Er kreiert neben experimenteller Musik auch Apps: Sein „Orphion“ ist ein musikalisches Interface für das iPad, ein Instrument mit dem auch Laien spielend leicht musizieren können. – Ein Interview von Marius Müller und Patrick Hepf

Müller/Hepf: Ursprünglich kommen Sie ja einfach von der Musik. Sie haben z.B. ein klassisches Instrument studiert.

Trump: Ja, klassisch, im Sinne von herkömmlich. Ich habe Jazz-Saxophon studiert, also kein klassisches Orchesterinstrument.

Müller/Hepf: Ein Saxophon … also etwas, das man anfassen kann, mit Mundstück, Klappen und Luft. Da hat es uns gewundert, dass Sie jetzt Musik machen, die so gar nicht dazu passt: Sehr futuristisch und experimentell. Wie sind Sie denn dazu gekommen?

Trump: Eigentlich eher schrittweise. Ich habe zuerst hier in Nürnberg an der Musikhochschule studiert. In der Mitte des Studiums habe ich angefangen, Filmsoundtracks zu machen. Ich habe das nie unterteilt in Filmmusik und Sounddesign, sondern beides zusammengebracht. Das war recht experimentell und hatte nicht viel zu tun mit dem, was ich sonst gespielt habe.
Nach und nach habe ich das mit meinem Instrument verbunden. So habe ich angefangen, Live-Elektronik zu machen, mit Saxophon und Laptop auf der Bühne, später nur noch mit dem Laptop. Es gab z.B. vor einigen Jahren das Quadrophonia-Festival in der Zentrifuge, wo einige Leute zusammen improvisiert haben, rein elektronisch.

Müller/Hepf: Was hören Sie denn privat für Musik, gibt es da irgendwelche Parallelen? Wenn man sich Ihre Musik anhört und ihre Installationen erlebt, könnte man denken, bei Ihnen laufen z.B. die Einstürzenden Neubauten. Stimmt das, oder sind Sie ganz anders unterwegs?

Trump: Ich höre nach wie vor gern Jazz, auch alten: Aber auch wenn es klangästhetisch was ganz anderes ist, wird da oft sehr frei mit musikalischen Ideen umgegangen. Da gibt es speziell in der nordeuropäischen Szene ein paar Künstler: Bugge Wesseltoft oder Nils Petter Molvær, die schon in den 90er Jahren angefangen haben , eher geräuschhaft und electronicamäßig Musik zu machen. So etwas hör’ ich sehr gern.

Müller/Hepf: Standardfrage: Was war eigentlich Ihre erste Platte?

Trump: Hm, schwierig … Ich glaube, das war ein Jazz-Sampler, ein Abriss der Jazzgeschichte, von New Orleans, oldschool-mäßig, bis hin zum Free-Jazz, und auch modernere Sachen. Das ist das erste, an das ich mich erinnern kann, wofür ich wirklich in den Laden gegangen bin, weil ich dachte: „So etwas hörst du nicht im Radio.“

Müller/Hepf: Sie haben also früh schon gemerkt, dass das die Musik ist, an der Sie einmal kleben bleiben werden?

Trump: Ja, als Jugendlicher, würde ich sagen.

Müller/Hepf: Haben Sie damals schon gewusst, dass Sie Berufsmusiker werden möchten, oder kam das erst später?

Trump: Das kam erst später. Im Laufe der Schulzeit habe ich gemerkt, dass ich das ganz gut kann. Ich hatte aber auch schon immer eine Affinität zum Technischen, ein bisschen Programmieren und Basteln am Computer und so. Das konnte ich mir also auch gut vorstellen.
Und dann hat es sich eben nach dem Abi so ergeben: Man macht eine Aufnahmeprüfung, wird genommen und dann findet man das natürlich erst einmal gut und stellt es nicht mehr in Frage. Während des Studiums hat sich dann diese andere Schiene bemerkbar gemacht und kam noch mit dazu. Und jetzt ist es eben die Synthese von beidem.

Müller/Hepf: Wir stellen uns das ziemlich anspruchsvoll vor, das tatsächlich professionell umzusetzen, also jemanden zu finden, der dafür bezahlt. Hatten Sie da Schwierigkeiten?

Trump: [lacht] Warum sprechen Sie denn in der Vergangenheit? Das ist immer noch schwierig, es gibt da ja immer noch kein vorgezeichnetes Berufsbild.
Man kann natürlich Musik studieren und dann unterrichten, das habe ich auch eine Zeit lang gemacht – und später dann reduziert. Ich unterrichte auch jetzt noch einen Tag nebenher. Das ist zum einen eine Sache, mit der man als Musiker immer gut Geld verdienen kann, auf der anderen macht es aber auch Spaß, kleinen Stöpseln das Saxophon beizubringen. Man ist halt Freelancer und muss schauen, wo man bleibt.
Feste Stellen, wo man sich verwirklichen kann, so was gibt es natürlich kaum. Ich habe das Glück, dass ich zusätzlich an der Musikhochschule lehren darf und da etwas von diesen experimentelleren Ideen an Studenten weitergeben kann. Momentan bin ich in Richtung Forschung unterwegs, da gibt es einige Themen, die mich sehr interessieren.

Müller/Hepf: Ist Ihre App „Orphion“ als Konsequenz daraus entstanden? Oder war das etwas, was Sie sowieso schon immer machen wollten, um möglichst vielen Menschen die Möglichkeit zu geben, selbst experimentelle elektronische Musik zu schaffen machen?

Trump: Das „Orphion“ ist ein interessanter Fall. Anfangs war das ja nur eine Konzeptstudie, aus der Zeit, als ich an der Universität der Künste in Berlin Sounddesign studiert habe.  Als Saxophonist ist man mit dem Körper sehr nah an seinem Instrument und spielt intuitiv, das aber fehlt bei vielen elektronischen Instrumenten, weil sie meist sehr stark abstrahiert sind. Dann kam das iPad raus, und ich überlegte mir: Wie könnte man einen Touchscreen für die Musik nutzen? Zuerst war es für mich eine künstlerische Arbeit, die Interaktion und den Klang, der dahinter steht, zu entwickeln. Und dass es dann wirklich ein Produkt wurde, und das am Ende auch noch erfolgreich war, das war tatsächlich eher Glück.
Das „Orphion“ war also erst einmal meine Abschlussarbeit an der UdK, aber es hat bald schon eine Eigendynamik entwickelt. Den App Store gab es damals ja noch gar nicht, und so auch nicht die Idee, dort Geld verdienen zu wollen. Das hat sich erst später ergeben.

Müller/Hepf: Was solche Konzepte angeht, haben Sie auch relativ wenig Konkurrenz im App Store.

Trump: Es gibt schon andere. Das Gute am Musikbereich des App Store ist aber, dass es, solange man keine Ideen klaut, keine Konkurrenzsituation zwischen den einzelnen Entwicklern gibt. Im Gegenteil: Man hilft sich gegenseitig.

Müller/Hepf: Kommt da in Zukunft noch mehr?

Trump: Gerne. Denn mir macht das großen Spaß. Und gerade jetzt, wo die Geräte weit verbreitet sind und man die Leute, mit dem, was man macht, wirklich erreichen kann …  ist das natürlich ein großes Glück. Solche Aufmerksamkeit und solchen Zugang hat man bei anderen Kunstformen nicht: Wenn man Bildhauer ist, dann macht man seine Skulptur und die steht dann irgendwo und die sehen nur die Leute, die auch vorbei kommen. Aber so eine Software kann jeder überall runterladen.
Der Markt für Apps hat sich verändert. Und die Sache mit dem Geld verdienen, das ist jetzt auch anders. Aber es inspiriert mich nach wie vor, dass man da ein Gerät mit so vielen Sensoren hat und mit dem man so viel machen kann: Da ist schon aus Interaktionsdesign-Sicht sehr vieles möglich, ohne dass man irgendwelche Zusatzgeräte bräuchte.  Ich habe auch schon viele Ideen. Aber das steht jetzt auf meiner Prioritätenliste nicht ganz oben. Man muss eben mit seiner Zeit haushalten.

Müller/Hepf: Wenn Sie das, was Sie seit Ihrem Studium gemacht haben, nochmal Revue passieren lassen: Würden Sie Musikinteressierten raten, es genau so zu machen?

Trump: Ja, ich glaube, wenn man sich als Musiker nicht hundertprozentig aufs Unterrichten festlegen will, dann ist es der einzige Weg, um seine künstlerische Nische zu finden. Es ist ja alles schon besetzt mit Platzhirschen, und da muss man sich natürlich fragen: Will ich jetzt das Selbe machen, was hundert andere auch machen. Und: Was gibt mir das, als Künstler?
Letztlich muss man sich ein Stück weit treiben lassen. Für mich hat sich das irgendwann ergeben. Ich habe nicht lange überlegt, was ich mit Musik machen soll, sondern es kam eher eins zum anderen. Man muss seinen Horizont ein bisschen erweitern. Und: Jeder muss sein Ding finden.

http://www.orphion.de

Dieses Interview entstand im WS 2013/14 im Rahmen einer Kooperation der Zentrifuge (Magazin PILOT und Kreativblog ON-Index) mit der TH Nürnberg, Fachbereich Verbale Kommunikation, Prof. Max Ackermann.

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