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Apr 2012 29

Ein Interview von Marta Klaskala

MK: Sie haben beim Creative Monday der Zentrifuge Ihre Tanzbox vorgestellt, einen lichtdurchfluteten Kubus, als Plattform für verschiedene Künste. Aber hat Ihnen der Creative Monday auch etwas gebracht? Haben Sie zum Beispiel Leute kennengelernt? Hat sich eine Zusammenarbeit ergeben?

OE:  Ja, auf jeden Fall. Was Creative Monday ist, sagt ja schon der Name. Es ist sehr inspirierend: die Vorträge, die anderen Kreativen, die ich da kennengelernt habe, haben mich auf neue Ideen gebracht. Ich hab’ da echt viele Leute kennengelernt und die haben mir viel weitergeholfen. Ich hab wirklich wahnsinnig viele Künstler getroffen. – Creative Monday kann ich nur empfehlen, ist wirklich eine tolle Sache!

“Du kannst diesen Beruf nur ausüben,
wenn du Ballett sehr stark liebst.”

MK: Sie haben diese Frage bestimmt schon mehrmals gehört, aber war Tanzen Ihr Kindheitstraum, oder wie sind Sie dazu gekommen?

OE: Nein, es war nicht mein Kindheitstraum, es hat sich erst in meiner Jugend entwickelt. Ich habe zuerst Breakdance gemacht, in einem normalen Tanzkurs. Dann habe ich Tanzfilme gesehen und gemerkt, dass ich Ballett sehr faszinierend finde. Und dann wollte ich das auch gerne lernen. Ich hab eigentlich erst mit 18 angefangen. Das ist im Grunde viel zu spät für eine Ballettkarriere, denn dann haut das mit dem Körper nicht mehr so hin, der zu diesem Zeitpunkt schon längst ausgewachsen ist. Und ja, das alles nachzuholen, was andere sich erarbeitet haben, seit sie sechs Jahre alt waren, das war schon schwierig.

MK: Trotzdem konnten Sie mit Ihrem Talent überzeugen: Ihr Karriereweg ging von Deutschland aus nach Portugal, Polen, Spanien, Italien, Belgien, Slowenien, Kroatien und China, wo Sie unter anderem beim 1. Internationalen Ballettwettbewerb im Finale tanzten.

OE: Die Weltspitze war dort und ich habe wirklich ganz tolle Tänzer kennengerlernt, auch die berühmtesten. Das war schon ein sehr lang anhaltender, starker Eindruck, den ich da gewonnen habe. Und: Ich habe im Finale getanzt, das war etwas ganz Besonderes. Es war schon eine wichtige Erfahrung in meinem Leben, weil ich danach auch einfach besser geworden bin. Sich in diesem Stress zu überwinden und gut zu sein und das dann auch zu bringen, das ist eine große Herausforderung. Das hat mir sehr viel genützt auf der Bühne. Ich habe Bekanntschaften mit vielen Kollegen gemacht und die haben jahrelang gehalten. Wir sind ja alle Idealisten – denn du kannst diesen Beruf nur ausüben, wenn du Ballett sehr stark liebst, sonst kannst du die Schmerzen nicht aushalten. Du musst dich jeden Tag überwinden.

MK: Aber nicht nur Auftritte in Balletten, sondern auch in Musicals, Filmen, Dokumentationen und Musikvideos gehören zu Ihren Erfahrungen.

OE: Die größte Rolle die ich jemals getanzt habe, war die vom Don Quijote und die war damals als eine Hauptrolle angelegt. Das war prägend. Da musste ich mich auch wirklich beweisen, musste zeigen, dass ich das kann. Damals in Zagreb waren nicht alle dafür, dass ich das tanze, – “der Deutsche”. Trotzdem hab ich die Rolle bekommen. Der Choreograph hat darauf bestanden und die Direktorin hat mich dann ins Kreuzverhör genommen, ob ich das denn könne, aber die Chance hat sie mir gegeben. Das war ein ganz großer Erfolg.

„Ich geh in die Dunkelheit und finde meinen eigenen Weg hindurch,
auch ohne Licht. Ich ertaste mir das.“

MK: Heute geben Sie Ballettunterricht und bieten daneben individuelle Choreographien für Messen oder Veranstaltungen an. Nun würde es mich sehr interessieren, wie Sie dabei vorgehen. Worauf achten Sie bei diesen Events und was versuchen Sie umzusetzen?

OE: Also, das kommt darauf an, was der Auftraggeber haben will. Natürlich ist das immer meine Phantasie, mehr kann ich nicht geben. Ich muss das Thema und die Musik kennen und dann mache ich einen Vorschlag. Wenn der Aufraggeber zum Beispiel will, dass ich ein Paar Tänzer habe, die um ein neues Auto tanzen, dann lasse ich mir dazu etwas einfallen.

MK: Haben Sie eine Lebensphilosophie?

OE: Meine Philosophie zeigt sich ja schon daran, dass ich niemals aufgegeben habe. Ich hab’ an meinen Traum geglaubt und ich bin in meinem Beruf keine Kompromisse eingegangen. Ich habe immer ganz genau geschaut: Passt das jetzt für mich oder nicht? Und das ist ganz wichtig. Es ist wichtig, auch den Mut zu haben und zu sagen: Ich geh in die Dunkelheit und finde meinen eigenen Weg hindurch, auch ohne Licht. Ich ertaste mir das. Und meiner Erfahrung nach kannst du nur gewinnen, – also: Es lohnt sich. Das ist, was ich anderen mitgeben kann. Und ruhig mal etwas riskieren, das ist besser, als die ruhige Kugel zu schieben. Es macht einfach mehr Spaß, es bringt mehr.

Anmerkung: Dieses Interview entstand im Rahmen einer Kooperation zwischen der Georg Simon Ohm Hochschule und der Zentrifuge im Wintersemester 2011/12. Studenten des Fachs “Verbale Kommunikation” portraitierten und interviewten Menschen, die bei diversen Creative Mondays in der Zentrifuge als Presenter zu Gast waren. Dieses Projekt wurde von Prof. Max Ackermann angeregt und begleitet, der damit dem Creative Monday, der Zentrifuge und den mit ihr verbundenen Kreativen ein Gesicht geben wollte. Wir danken Herrn Professor Ackermann und seinen Studenten herzlich für die Unterstützung!

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