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Okt 2017 23

Der Webradiomacher Tim Faber im Gespräch.

Das KochBlogRadio und wie es sich verändert hat. Sein Gründer erzählt davon.
Ein Interview von Laura Ehrhardt, Theresa Straub und Daniel Neumeier

- Dr. Tim Faber ist der Mann hinter KochBlogRadio: Doch wer war er davor?

Ein klassischer Jurist. Vor und während meines Jura-Studiums habe ich nebenbei schon Radio gemacht: Moderation und Redaktion. Insgesamt habe ich zwölf Jahre beim Privaten Hörfunk gearbeitet, bis ins Jahr 1999. Ich war bei UKW-Sendern, wie dem Oldie-Sender Radio 5 oder bei Charivari 98.6 in Nürnberg. Denn das Radio ist schon seit frühester Jugend meine Leidenschaft. Aber nach meinem Studium habe ich erst einmal aufgehört mit diesem Hobby.

Und wie kam es dann doch noch zum KochBlogRadio?

Radio und Musik kombiniert mit Kochen. Das ist ja eher ungewöhnlich. Woher die Idee? Ich koche sehr gerne. Und ich bin frankophil. Hieraus entstand der Gedanke, einen französischen Kochblog zu starten: „L‘art de gourmet“. Dabei musste ich viel schreiben, fotografieren und auch programmieren. Bis ich wieder mehr Lust bekam im Audiobereich tätig zu sein. Daraufhin fragten mich alte Radiofreunde, ob ich bei einem Webradio-Sender mitmachen möchte. „Klar, ich bin dabei, wo sind die Studios?” “Studios gibt es keine. Das macht man daheim.” Mit diesem Webradio wollte ich meinen Kochblog als Radioshow starten. Und über viele weitere Stationen wurde daraus schließlich das, was man heute kennt.

Wirkt Radio „von daheim“ authentischer?

Ich finde ja, dass wir authentisch sind. Was wir erzählen, soll individuell sein. – Formatradio ist zwar umstritten, aber für mich ist es dann am besten, wenn man es mit der größtmöglichen Individualität praktiziert. Ein Team wird dann glaubwürdig, wenn es einzigartige Beiträge gestaltet. Aber inzwischen senden wir längst nicht mehr nur von Zuhause. Bei Veranstaltungen produzieren wir auch Live-Radio. Zum Beispiel haben wir auf Messen unser mobiles Studio mit dabei.

Zum Profil: Was meinen Sie, welchen „Charakter“ hat das KochBlogRadio?

Es ist nicht kommerziell. Und sehr idealistisch. Das Tagesprogramm ist Lifestyle, Reisen und Essen. Und es vermittelt ein geiles Lebensgefühl.

Ihr Sender ist non-kommerziell organisiert. Aus was für Menschen besteht Ihr Team?

Das ist eine bunte Mischung: Alte Radiohasen und junge Food- und Lifestyle-Blogger. Als Beispiel: „Küchentipps in 100 Sekunden“. Das macht ein Foodblogger, der selber  Hotelbesitzer und Sternekoch ist.

Manche Ihrer Autoren sind in verschiedenen Städten tätig, zum Beispiel in Wien, Rom, Abu Dhabi, also gern auch in verschiedenen Ländern … Welche Beiträge leisten diese “Food-Korrespondenten”?

Sie liefern vor allem Statements und Interviews. Das ganze KochBlogRadio arbeitet nach dem Prinzip des Smartphone-Journalismus. Das heißt, Mitarbeiter nehmen Originaltöne mit ihrem Smartphone auf und schicken uns schließlich ihre Beiträge. Die handeln dann vom Lifestyle anderer Länder. Ich glaube, wir sind in diesem Bereich einzigartig! Schon weil bei uns Kulinarik und Events so eine zentrale Rolle spielen. Bei uns ist alles erlaubt und die Teammitglieder posten auch unabhängig voneinander. Jeder trägt seinen Teil zum Ganzen bei. Wenn dann zum Beispiel etwas über den Bratwurstkönig erscheint, regional und fränkisch, dann kommt das vom Chefredakteur Roland Rosenbauer. Worüber ich sehr froh bin. Denn so transportiert er Traditionelles.

Die Medien wandeln sich. Der Computer steht für „Konvergenz“, also das Zusammenwachsen aller Medien. – Ist Radio ein Auslaufmodell?

Ich denke nicht, das Radio ein Auslaufformat ist. In der Debatte wird alles zu sehr polarisiert. Dabei darf doch alles nebeneinander existieren. Am Ende geht es um den Zuhörer und darum, welche Lebenserfahrungen ihn beeinflussen. Was Fakt ist: Wir haben immer mehr Inhalte, immer mehr Kanäle. Wir leben in einer On Demand-Welt, in der sich jeder individuell sein Programm zusammenstellt und nach Wunsch anhört. Aber wer kann mit dieser Vielfalt umgehen?

Vor ein, zwei Jahren gab es den „Tasty“-Video-Trend auf Facebook; in einer schnellen Bilderfolge wurde die Zubereitung von Speisen gezeigt. Wie stehen Sie zu derartigen Trends?

Das finde ich cool, witzig. Das gefällt mir. Aber selber habe ich nicht die Zeit dazu. Ich nehme eher Instagram Live-Sequenzen auf und erzähle den Leuten, was ich mache. Die Frage, die ich mir jedoch am Ende immer stelle: Ist dieser Aufwand gerechtfertigt? Wenn ich so tief gehe und nicht pragmatisch bleibe, erreiche ich dann überhaupt noch Menschen damit? Ich denke, die Zuhörer wollen es einfach!  Niemand will mehr kleinteilig Dinge erklärt bekommen. Zum Beispiel: Wie viele Prisen Salz über ein Gericht gestreut werden sollen.

Durch den Medienwandel werden wir mit Fotos überflutet, darunter sehr viel abfotografiertes Essen. Das soll vor allem imponieren und wirkt deshalb nicht sehr glaubwürdig. Wie ist dieses Phänomen mit dem Charakter des KochBlogRadios kompatibel?

Eine spannende Frage. Bilder sollten auf Augenhöhe bleiben und als Inspiration dienen: Klar, kann man einen Schinken als Rose drapieren, weil man das für gute Freunde so macht. Aber wenn bei uns auf der Website ein Oktopus oder Muscheln zu sehen sind, dann sind diese Bilder von mir. Und sie erzählen Geschichten. Denn Essen schmeckt mir immer dann am besten, wenn ich dazu ein Déjà-vu habe. Was ich sehe, soll mich an eine schöne Zeit erinnern, an ein Gefühl. Deshalb sollen meine Fotos wirken wie aus dem Leben gegriffen. Als wäre man selber dabei.

Lieferdienste werden immer beliebter, auch durch den Wandel der Mediennutzung, etwa das Binge-Watching von Serien. Man sitzt daheim, bestellt und wartet, bis es klingelt. Das gilt als bequem und einfach. Wird dadurch das Kochen zu einer Ausnahme statt zur Regel?

Auch wenn sich das von meiner Position aus sehr schwer beurteilen lässt, glaube ich nicht, dass das Kochen vom Aussterben bedroht ist. Im Gegenteil. Ich habe eher das Gefühl, dass der Trend wieder zurück zum Kochen geht. Es gibt so viele Kochsendungen. Immer mehr Menschen sagen, Kochen sei ihr Hobby. Kochen spielt eine wichtigere Rolle in Gesprächen. Und: Ich hoffe natürlich auch, dass wir durch unser Programm noch mehr Leute dazu inspirieren können.

Einen typischen Radiosender schaltet man zum Beispiel im Auto ein. Das funktioniert bei KochBlogRadio nicht. Wie aber sonst?
Stimmt, das ist ein Thema. Auf Messen fragt jeder Dritte: „Ja toll das alles, mit Kochen und so. Aber wo kann ich euch hören?” Die Gewohnheit, Webradio einzuschalten, ist ja noch nicht sehr weit verbreitet. Klassisches UKW-Radio ist ein typisches Automedium: Hier wird der Sender eher per Zufall gesucht. Beim Webradio ist es das Gegenteil: Im Internet klicke ich ganz bewusst auf eine Seite. Auch haben die meisten Radiogeräte noch keinen Internet-Zugang. Wäre das der Fall, dann wäre die Verbreitung einfacher. Im Augenblick ist es für Webradio-only-Stationen noch schwierig, sich in ihrer Reichweite zu entwickeln.

Wie sieht die Zukunft des KochBlogRadios aus?

Da stehen das Verbessern des Live-Programms und das Bespielen visueller Kanäle an erster Stelle. Auch wünsche ich mir mehr Verbreitungsmöglichkeiten. Es wäre natürlich super, wenn Webradio in Zukunft auch in Auto oder Küche üblich wäre. Den Rest werden wir einfach auf uns zukommen lassen.

KochBlogRadio! aus Nürnberg – Webradio hören via http://kochblogradio.de/

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Dieser Beitrag entstand im Sommersemester 2017 im Rahmen einer Kooperation der Zentrifuge (Magazin PILOT und Kreativblog ON-Index) mit der Technischen Hochschule OHM Nürnberg, Fachbereich Verbale Kommunikation, Prof. Max Ackermann.

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