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Nov 2011 20

Am 17.11.2011 kamen etwa 150 Kreative und Künstler aus ganz Bayern nach Bamberg. Jürgen Enninger, bayerischer Ansprechpartner der bundesweiten Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft hatte gemeinsam mit den Wirtschafts- und Kulturreferaten von Stadt und Landkreis Bamberg in die oberfränkische Domstadt eingeladen.
Die Bamberger Volkshochschule erwies sich als passabler Ort: Zentrale Lage mit Spezial Bräu ums Eck, technisch gut ausgestatteter Konferenzsaal mit genügend Kapazitäten, um alle Teilnehmer zu fassen, funktionale Seminarräume sowie viel Raum für Gespräche. Ein funktionaler und alles in allem passender Ort für diese Networking-Veranstaltung. Atmosphärisch und architektonisch fehlte zwar das gewisse Extra, doch Kreativität entfaltete sich zur Genüge zwischen den Menschen und aus ihnen heraus – es war die geistige Atmosphäre, die zählte.

Nach der Eröffnung durch Jürgen Enninger, der die zahlreich erschienenen Teilnehmer aus ganz Bayern begrüßte und in das Programm einführte, stellten der Bamberger Bürgermeister und Kulturreferent Werner Hipelius und der stellvertretende Landrat des Landkreises Bamberg Johann Pfister auf unterschiedliche Weise, jedoch einhellig die kreative und kulturelle Vielfalt Bambergs, des Landkreises und der Region heraus. Die Metropolregion Nürnberg wurde von beiden als Chance gesehen, um regionale Kräfte zu bündeln, zu stärken und gemeinsam an der Entfaltung weiterer Potenziale zu arbeiten.

Einen starken Bezug zur Metropolregion stellte auch Rainer Hertwig her, der als Projektleiter der Kreativplattform www.mehrwertzone.net den aktuellen Entwicklungsstand dieses jungen Portals zusammenfasste. Neueste Tools wie eine Jobbörse oder eine personalisierte Filterfunktion machen die Informations- und Vernetzungsplattform zunehmend interessant für Akteure aus der Kultur- und Kreativszene. Noch ist der Radius der Mehrwertzone auf Nürnberg, Fürth, Erlangen und Schwabach beschränkt, die Erweiterung in die Metropolregion sei jedoch vorgesehen und solle zügig realisiert werden.

Der Bamberger Kabarettist Mac Härder (www.maec-haerder.de), der wenige Tage zuvor in Berlin zu einem von 32 „Kultur- und Kreativpiloten Deutschland 2011“ gekürt wurde (www.kultur-kreativpiloten.de), gab eine ebenso humoristische wie informative Einlage zu besagtem Wettbewerb. Das Publikum ließ sich von seinem kreativen Vortrag anstecken und man bekam ein Gefühl davon, welche Innovationskraft und welche schöpferischen Potenziale freigelegt werden können, wenn man der Kreativität genügend Spielraum gibt. Das Risiko des „ruinösen Erfolgs“, wie es Mäc Härder ironisch darlegte, ist vielen Kreativarbeitern und Künstlern bekannt, die oft für wenig Geld viel Leistung erbringen müssen. Künstler und Kreative handeln aus Begeisterung und sind „leicht zu haben“, da sie aus eigenem Antrieb handeln, sich leidenschaftlich einbringen und dabei oft das Monetäre vernachlässigen. Gerade im Hinblick auf angemessene Honorierungen zeigte sich an dieser Stelle eines der größten Entwicklungspotenziale der Kultur- und Kreativwirtschaft.

Professionalisierung und Vernetzung

Die Vorstellung der Moderatoren und Referenten, die im folgenden parallele Workshops durchführten, schloss den einleitenden Teil ab: Margit Brendl von der Agentur Kulturliebe (www.kulturliebe.de) und Leiterin der Zentrifuge Akademie, vermittelte “Basiswissen Sponsoring“, Daniel Kestler von der medienreaktor GmbH (www.medienreaktor.de) informierte über den richtigen Umgang mit „Social Media“, Martin Hüsener (www.sprich-wort.net) bot einen Workshop zu Public Relations und David Perpina vom Community Working Bamberg (www.communityworking.com) arbeitete mit seinen Workshop Teilnehmern an einer Vernetzung der Coworking Spaces in Bayern. Der von Zentrifuge Initiator Michael Schels geleitete Workshop setzte sich mit der vermeintlichen „Angst des Künstlers vor dem Markt“ auseinander und war eine Fortsetzung eines gleichlautenden Workshops, den er am 1. April 2011 beim Netzwerkertreffen in Bamberg gehalten hatte. Der grundlegende Text hierzu ist nachzulesen unter dem Link: http://kulturhallenuernberg.ning.com/profiles/blogs/die-angst-des-k…

Die Ergebnisse der Workshops wurden am späteren Nachmittag auf einem Podium zusammengefasst. Jürgen Enninger befragte die Workshop-Leiter im Hinblick auf die wesentlichen Ergebnisse und das Publikum bekam dadurch einen kompakten Überblick über die tagsüber erarbeiteten Themen und Inhalte. Zu allen in den Workshops diskutierten Themen zeigte sich, dass großes Interesse an mehr Vernetzung und Professionalisierung besteht. Die Workshops vermittelten grundlegende Informationen, wie man seine Arbeit als Künstler und/oder Kreativer noch besser strukturieren, gestalten und kommunizieren kann, welche Vernetzungspotenziale bestehen und wie man Unterstützer und Partner für kreative Projekte gewinnt. Die Teilnehmer nutzten zudem die Chance, sich während und am Rande der Workshops über wichtige und aktuelle Fragestellungen ihrer Arbeit auszutauschen.

Netzwerken à la Creative Monday

Im Anschluss an das abschließende Podium und nach einer musikalischen Einlage des Saxophon-Quartetts der Kreismusikschule Bamberg bekamen die Teilnehmer des Netzwerktreffens einen Eindruck vom Veranstaltungsformat „Creative Monday“. Dieses Format wurde in der Zentrifuge Auf AEG entwickelt und findet mittlerweile immer mehr Nachahmer in anderen Städten.

Der Creative Monday ist eine selbst organisierte Veranstaltung von Akteuren für Akteure der Kultur- und Kreativwirtschaft. Er bietet Künstlern und Kreativen die Gelegenheit, ihre Arbeit und ihre Projekte in kurzen Vorträgen vorzustellen. Nebenbei wird natürlich auch viel genetzwerkt. Also eine ideale Gelegenheit, Gleichgesinnte kennen zu lernen, Unterstützer für Projekte zu finden, kollegialen Austausch zu initiieren und zu pflegen und neue Projekte zu starten. Werber treffen auf Filmemacher, Bildende Künstler lernen Musiker kennen, Texter tauschen sich mit Architekten aus (um nur einige Beispiele zu nennen). Es ist eine Begegnung zwischen den verschiedensten kreativen und künstlerischen Bereichen und das synergetische Potenzial ist unendlich.

Zentrifuge Initiator und Kultur-Kreativ-Schnittstellenarbeiter Michael Schels moderierte die folgenden eineinhalb Stunden, bei denen acht ausgewählte Akteure aus ganz Bayern zu Wort kamen:

Jürgen Fleischmann aus Hirschaid präsentierte die regionale Kulturplattform “Kultürla“, Lukas Wehner aus Bamberg stellte seinen Verlag perpetuum publishing und die Veranstaltung “Bamberg liest” vor, Nele Gramß gab Einblicke in Konzept und Programm des gemeinsam mit ihrem Mann initiierten Veranstaltungsortes „Elsa47“ in Bad Rodach , Arno Schimmelpfennig von Seeding Films aus Burgebrach demonstrierte, wie Kreative und Künstler mit einfachen filmischen Techniken kostengünstig für sich im Internet werben können, Claudia Göttler aus Holzkirchen gab Einblicke in ihre künstlerische Arbeit und legte dabei „Verborgene Schätze“ frei, Susanne Ilka Tidow aus Freising gab Einblicke in die Arbeit des Vereins Therese Literaturgesellschaft e.V., der sich u.a. dafür einsetzt, bei Fernsehredaktionen ein verstärkte Wahrnehmung und ein besseres Verständnis von aktuellem literarischem und künstlerischem Schaffen zu erzeugen. Monika Gründel und Rita Jung aus Wernsdorf eröffneten einen neuen Zugang zu den vielen verschiedenen Tätigkeitsbereichen, die ein Künstler und/oder Kreativer mehr oder weniger in sich vereinen muss: “Erfolgreich mit der Inneren Firma” heißt ihre Geschäftsidee, bei der man sich spielerisch den vielen Aufgaben und Fragen annähern kann, die einen auf dem beruflichen Weg begleiten und die oft viel zu wenig wahrgenommen werden. Den krönenden Abschluss des Netzwerkens à la Creative Monday und des Bamberger Netzwerkertreffens insgesamt bot der frisch gebackene Bamberger Kulturpreisträger Dr. Martin Beyer mit einer Vorstellung seiner vielfältigen und schöpferischen Tätigkeiten im Bereich innovativer Literaturvermittlung.

Alles in allem war es ein sehr gelungenes Netzwerktreffen, bei dem viele spannende Kontakte entstanden sind, viele konstruktive Ideen ausgetauscht wurden und vor allem: bei denen die Kultur- und Kreativwirtschaft wieder einen großen Schritt weiter gekommen ist auf dem Weg zu mehr Professionalisierung, Vernetzung und Transparenz. Herzlichen Dank an Jürgen Enninger, dass sich die Zentrifuge an diesem Tag als treibende Kraft für eine erstarkende Kultur- und Kreativwirtschaft in der Europäischen Metropolregion Nürnberg präsentieren konnte.

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